Ausgangssituation: Die allermeisten Teilnehmer/innen sind von Anfang bis Ende konstant
dabei geblieben. Nur zwei haben nach dem ersten Termin das Weite gesucht, zwei weitere sind
in der Semestermitte ausgeschieden. Damit blieben immerhin 38 Teilnehmer/innen, von denen im
Schnitt 32 anwesend waren. Diese extrem hohe Teilnehmerzahl erklärt sich wohl nicht
zuletzt durch den von vielen Studierenden geschätzten Termin am Montag nachmittag.
Nachdem ich die Studierenden ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass der Besuch der
Veranstaltung de facto freiwllig ist, weil man schliesslich nur irgendeinen
Fallbesprechungsschein braucht, um an den Anfängerübungen teilnehmen zu
können, betrachte ich diese Entwicklung dennoch als Kompliment. Wie immer im
Sommersemester war zu wenig Zeit für die ungeheure Stofffülle. Dabei ist zu
beachten, dass in der Fallbesprechung, obwohl sie formal an die Grundrechte-Vorlesung
angebunden ist, der gesamte Stoff des ersten Semesters und das gesamte
Verfassungsprozessrecht behandelt werden muss, um die Studierenden möglichst gut auf die
Anfänger-Übung im kommenden Semester vorzubereiten.
Zusammenfassende Bewertung: Sowohl die Fallbesprechung an sich als auch der Dozent
wurden mit einer fast glatten "zwei" benotet. Das ist für eine
Pflichtveranstaltung durchaus ein Kompliment. Schliesslich bestätigt die Detailanalyse
der ausgewerteten Bögen, dass es wie (fast) immer in solchen Veranstaltungen eine
Handvoll Teilnehmer/innen gegeben hat, die allenfalls das schlechte Gewissen zur
regelmässigen Teilnahme getrieben hat. Schliesslich war der Dozent ihrer Meinung nach
weder besonders gut dazu in der Lage war, sie für das behandelte Fachgebiet zu
interessieren, noch dazu, sie zum selbständige Denken anzuregen. Dementsprechend
schlecht fiel auch ihre Gesamtbewertung aus.
Ein relativ großer Anteil der Teilnehmer/innen (etwa ein Drittel) fühlte sich
offensichtlich mehr oder weniger überfordert. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass
relativ viele meinten, der Dozent habe nicht häufig genug überprüft, ob die
Studierenden seiner Argumentation folgen können.
Das zentrale Problem der Veranstaltung bestand allerdings in ihrer schieren Grösse: Mit
durchschnittlich mehr als 30 Teilnehmer/innen ist offensichtlich kein sinnvolles Arbeiten
mehr möglich. Auch in kleineren Gruppen ist es ein veritabler Kraftakt, am Montag
nachmittag nochmals alle Reserven zu mobilisieren. Dies gilt umso mehr, wenn draussen schon
hochsommerliche Temperaturen locken. Leider ist es nicht erkennbar, dass sich an diesem
Zustand etwas ändern lassen wird.
Eine persönliche Stellungnahme: Diese Veranstaltung war eine echte
Herausforderung. Zugegeben: Das Klima (sowohl meteorlogisch als auch sozial) ermutigte nicht
zur Mitarbeit. Allerdings wurde ich selten so oft und so gründlich angeschwiegen wie in
dieser Veranstaltung. Daher konnte ich leider nie so richtig einschätzen, ob die
Teilnehmer/innen gelangweilt oder überfordert waren. Die meisten Nachfragen verhallten
ungehört. Zwar nehme ich mir die Kritik zu Herzen und werde in Zukunft noch besser
darauf achten, ob alle meiner Argumentation folgen können. Ich befüchtet
allerdings, dass es zumindest so lange immer wieder zu erheblichen Problemen kommen wird, wie
die Studierenden nicht in der Lage sind, die Literatur, die ich zur Vor- und Nachbereitung
angegeben habe, mit der gebotenen Sorgfalt durchzuackern. Wenn man schon die Vorlesung nicht
besucht, dann sollte man sich wenigstens die Mühe machen, mindestens zwei
Lehrbücher durchzuarbeiten!
Bei allem Verständnis dafür, dass es für viele schwierig ist, sich in einer
größeren Gruppe zu äußern, bin ich auch etwas verwundert über die
aussergewöhnlich geringe Resonanz auf das Angebot, nicht nur die Probeklausuren, sondern
auch Lösungsversuche für die behandelten Fälle zu korrigeren. Auch die
"virtuelle Fallbesprechung" wurde nur mässig genutzt.
Ich hoffe sehr, dass Sie nun einigermassen gut gerüstet in die Übung gehen werden
und danke Ihnen ganz herzlich für die Aufmerksamkeit! Ich fühle mich geehrt, dass
ich trotz der in der Tat widrigen Umstände von Ihnen doch eine recht gute Bewertung
bekommen habe. Bleiben Sie dran - und: Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten!
Zu den Ergebnissen der Auswertung (PDF)
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