Diese Veranstaltung wurde an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen durchgeführt

Fallbesprechung Staatsorganisation und Grundrechte - Sommersemester 2001


Ergebnisse der Evaluierung

Ausgangssituation: Die allermeisten Teilnehmer/innen sind von Anfang bis Ende konstant dabei geblieben. Nur zwei haben nach dem ersten Termin das Weite gesucht, zwei weitere sind in der Semestermitte ausgeschieden. Damit blieben immerhin 38 Teilnehmer/innen, von denen im Schnitt 32 anwesend waren. Diese extrem hohe Teilnehmerzahl erklärt sich wohl nicht zuletzt durch den von vielen Studierenden geschätzten Termin am Montag nachmittag. Nachdem ich die Studierenden ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass der Besuch der Veranstaltung de facto freiwllig ist, weil man schliesslich nur irgendeinen Fallbesprechungsschein braucht, um an den Anfängerübungen teilnehmen zu können, betrachte ich diese Entwicklung dennoch als Kompliment. Wie immer im Sommersemester war zu wenig Zeit für die ungeheure Stofffülle. Dabei ist zu beachten, dass in der Fallbesprechung, obwohl sie formal an die Grundrechte-Vorlesung angebunden ist, der gesamte Stoff des ersten Semesters und das gesamte Verfassungsprozessrecht behandelt werden muss, um die Studierenden möglichst gut auf die Anfänger-Übung im kommenden Semester vorzubereiten.

Zusammenfassende Bewertung: Sowohl die Fallbesprechung an sich als auch der Dozent wurden mit einer fast glatten "zwei" benotet. Das ist für eine Pflichtveranstaltung durchaus ein Kompliment. Schliesslich bestätigt die Detailanalyse der ausgewerteten Bögen, dass es wie (fast) immer in solchen Veranstaltungen eine Handvoll Teilnehmer/innen gegeben hat, die allenfalls das schlechte Gewissen zur regelmässigen Teilnahme getrieben hat. Schliesslich war der Dozent ihrer Meinung nach weder besonders gut dazu in der Lage war, sie für das behandelte Fachgebiet zu interessieren, noch dazu, sie zum selbständige Denken anzuregen. Dementsprechend schlecht fiel auch ihre Gesamtbewertung aus.

Ein relativ großer Anteil der Teilnehmer/innen (etwa ein Drittel) fühlte sich offensichtlich mehr oder weniger überfordert. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass relativ viele meinten, der Dozent habe nicht häufig genug überprüft, ob die Studierenden seiner Argumentation folgen können.

Das zentrale Problem der Veranstaltung bestand allerdings in ihrer schieren Grösse: Mit durchschnittlich mehr als 30 Teilnehmer/innen ist offensichtlich kein sinnvolles Arbeiten mehr möglich. Auch in kleineren Gruppen ist es ein veritabler Kraftakt, am Montag nachmittag nochmals alle Reserven zu mobilisieren. Dies gilt umso mehr, wenn draussen schon hochsommerliche Temperaturen locken. Leider ist es nicht erkennbar, dass sich an diesem Zustand etwas ändern lassen wird.

Eine persönliche Stellungnahme: Diese Veranstaltung war eine echte Herausforderung. Zugegeben: Das Klima (sowohl meteorlogisch als auch sozial) ermutigte nicht zur Mitarbeit. Allerdings wurde ich selten so oft und so gründlich angeschwiegen wie in dieser Veranstaltung. Daher konnte ich leider nie so richtig einschätzen, ob die Teilnehmer/innen gelangweilt oder überfordert waren. Die meisten Nachfragen verhallten ungehört. Zwar nehme ich mir die Kritik zu Herzen und werde in Zukunft noch besser darauf achten, ob alle meiner Argumentation folgen können. Ich befüchtet allerdings, dass es zumindest so lange immer wieder zu erheblichen Problemen kommen wird, wie die Studierenden nicht in der Lage sind, die Literatur, die ich zur Vor- und Nachbereitung angegeben habe, mit der gebotenen Sorgfalt durchzuackern. Wenn man schon die Vorlesung nicht besucht, dann sollte man sich wenigstens die Mühe machen, mindestens zwei Lehrbücher durchzuarbeiten!

Bei allem Verständnis dafür, dass es für viele schwierig ist, sich in einer größeren Gruppe zu äußern, bin ich auch etwas verwundert über die aussergewöhnlich geringe Resonanz auf das Angebot, nicht nur die Probeklausuren, sondern auch Lösungsversuche für die behandelten Fälle zu korrigeren. Auch die "virtuelle Fallbesprechung" wurde nur mässig genutzt.

Ich hoffe sehr, dass Sie nun einigermassen gut gerüstet in die Übung gehen werden und danke Ihnen ganz herzlich für die Aufmerksamkeit! Ich fühle mich geehrt, dass ich trotz der in der Tat widrigen Umstände von Ihnen doch eine recht gute Bewertung bekommen habe. Bleiben Sie dran - und: Nutzen Sie Ihre Möglichkeiten!

Zu den Ergebnissen der Auswertung (PDF)


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